24.02.2016

Von: Thomas Burgert

NEUES VERSCHLEISSBAROMETER

BRÖCKEL-INDEX: Infrastruktur verfällt

Seit 2005 habe die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland mehr als 51 Millarden an Wert verloren, auf diesen Verlust macht jetzt der »Bröckel-Index« aufmerksam.


Bröckel-Index: Deutschland fährt auf Verschleiß

Bröckel-Index: Deutschland fährt auf Verschleiß


Als Ursache für den Wertverlust nennt die Initiative »Damit Deutschland vorne bleibt« die chronische Unterfinanzierung der öffentlichen Infrastruktur. Seit dem 23. Februar zeigt der Bröckel-Index im Internet unter www.damit-deutschland-vorne-bleibt.de an, wie der Verlust voranschreitet. Offiziell vorgestellt wurde das Verschleißbarometer vor dem Bundesrat in Berlin. Oliver Wolff, Geschäftsführer von Infra-Dialog Deutschland, die hinter der Initiative steht, sagte dazu. »Deutschland fährt seit Jahren auf Verschleiß, immer mehr Brücken, Schienen und Straßen sind in einem schlechten Zustand. Mit unserem Verschleißbarometer wollen wir dafür sorgen, dass dieses wichtige Thema, das uns alle betrifft, im Fokus der Öffentlichkeit und damit in der politischen Diskussion bleibt.»

Die Grundlage für die Berechnung des Verschleißbarometers bilden Zahlen, die von der »Kommission für nachhaltige Infrastrukturfinanzierung« unter dem Vorsitz des ehemaligen Bundesverkehrsministers Kurt Bodewig erarbeitet wurden. Demnach summiert sich der Wertverlust der Verkehrswege seit 2005 auf mehr als 51 Milliarden Euro. Und diese negative Entwicklung setzt sich rasant fort. 12.500.000 Euro täglich, 520.000 Euro jede Stunde, 8680 Euro pro Minute und gut 140 Euro pro Sekunde gehen verloren. Besonders betroffen sei dabei ÖPNV in den Städten. »Der Sanierungsstau im kommunalen Nahverkehr wird immer größer und beträgt inzwischen mehr als vier Milliarden Euro«, erläuterte Wolff und fügte hinzu. »Die Haushaltslage vieler Kommunen ist angespannt, es gibt immer weniger Spielraum für notwendige Investitionen. Dabei müssten die Kapazitäten angesichts von mehr als zehn Milliarden Fahrgästen jedes Jahr dringend ausgebaut werden.«

Bei der Frage der Finanzierung verwies Wolff auf die Entflechtungsmittel, deren Zukunft »noch völlig ungeklärt« sei. Bislang zahle der Bund den Ländern jährlich 1,33 Milliarden Euro für deren Erhalt und Ausbau. Rund 740 Millionen Euro seien in den ÖPNV geflossen, die übrigen Mittel in der Regel in Straßenbauprojekte. Die Finanzierung der Mittel nach dem Entflechtungsgesetz läuft 2019 aus und »eine Nachfolgeregelung ist bislang trotz aller Warnungen von Verkehrsexperten noch nicht in Sicht«. Oliver Wolff betonte: »Ich appelliere dringend an die Länder, sich mit dem Bund auf die bewährte zweckgebundene Fortführung der kommunalen Investitionsförderung zu verständigen und damit die Grundlage für gezielte Investitionen in die Zukunft unserer Städte zu schaffen. Ansonsten steht Deutschland mancherorts bald still.«


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