18.05.2017

Von: Thomas Burgert

Beliebte Spielwiese

Ein Jahr lang die Ticketpreise im MVV-Gebiet einfrieren – so lautet der Vorschlag von Josef Schmid, seines Zeichens Bürgermeister in München. Es war schon der zweite Vorstoß des Politikers in Sachen Preispolitik, nachdem er dieses Jahr bereits mit seinem Vorschlag für eine Deckelung der Bierpreise auf dem Oktoberfest vorgeprescht war. Nach einem Preisstopp beim Bier also nun auch im ÖPNV, dachte sich Schmid wohl, dessen Idee im Stadtrat mit ziemlicher, na sagen wir Skepsis begegnet wurde.



Es ist dies derzeit auch nicht der einzige Fall, in dem Politiker mit gut gemeinten Ratschlägen zu einem »besseren« Nahverkehr beitragen wollen. In Mülheim hatte eine Koalition aus SPD, Grünen und Mülheimer Bürgerinitiativen ein Konzept für den ÖPNV der Stadt vorgelegt, das nun auf mehr als nur Skepsis bei der Stadtverwaltung traf. München und Mülheim haben dabei gemeinsam, dass hier Vorschläge auftauchen, die nicht nur fachlich umstritten, sondern leider oft einfach fern der Realität sind.

Es zeigt aber auch, dass der Nahverkehr auch deshalb eine beliebte Spielwiese für Vertreter aus der Politik sind, weil sie hier zum einen meinen, direkt entscheiden zu können – beim MVV können sie das wegen der vielen im Verbund vertretenen Partner mitnichten – zum anderen aber auch, weil man denkt, jeder könne dort ähnlich qualifiziert mitreden, wie man das vor dem TV-Schirm auch bei der Aufstellung von Jogi Löws Nationalelf denkt. Sowohl im Fußball, als auch beim ÖPNV macht es die Sache für die handelnden Personen nicht einfacher.

Thomas Burgert


Kategorie: Editorial