16.02.2017

Von: Thomas Burgert

Ansichtssache

Es würden mehr Menschen auf Busse und Bahnen umsteigen, wenn denn nur die Rahmenbedingungen besser wären. Der ÖPNV habe durchaus noch Potenzial, seine Fahrgastzahlen zu steigern – das ist das Fazit einer Umfrage zur ÖPNV-Nutzung, die der ADAC durchgeführt hat. Befragt wurden dabei in zehn deutschen Städten Menschen, die den Nahverkehr selten oder nie nutzen.



Verschenkt der Nahverkehr wirklich Fahrgastpotenzial, wie es das Ergebnis andeutet? Als häufigstes Argument, warum man nicht den Nahverkehr nutzt, wird in der Umfrage der Preis genannt, was natürlich zu der Frage führt, ob der ÖPNV tatsächlich zu teuer ist. Vergleicht man die Nahverkehrspreise mit den Preisen fürs Parken in deutschen Innenstädten, wie dies das Beratungsunternehmen Civity in einer kürzlich veröffentlichten Studie getan hat, sieht man eine ungleiche Entwicklung. Demnach ist in den vergangenen zehn Jahren das Parken im öffentlichen Straßenraum inflationsbereinigt sogar günstiger geworden, heißt es in der Untersuchung, während die Ticketpreise im ÖPNV zwischen 2006 und 2016 hingegen um 18 Prozent gestiegen seien.

Ein Preisanstieg um 18 Prozent in zehn Jahren wird man noch als vertretbar bezeichnen. Ist daher vielleicht also der ÖPNV nicht etwa zu teuer, sondern das Autofahren/Parken doch eher zu billig? Doch würden die Kommunen die Preise fürs Parken ähnlich regelmäßig anheben, wie die Preise für die Nahverkehrstickets steigen, man ahnt schon, dass der ADAC unter den ersten wäre, die lautstark dagegen protestieren.

Thomas Burgert


Kategorie: Editorial