27.01.2012
Kategorie: Betrieb, Top-News
Von: Frank Schliffke

Austausch von Unfreundlichkeiten

Ein unangekündigter Warnstreik von Verdi in Reutlingen hat die Emotionen in der Tarifauseinandersetzung im privaten Omnibusgewerbe Baden-Württembergs verstärkt.



Verdi-Verhandlungsführer Rudolf Hausmann sagte, man habe zu dem viereinhalbstündigen Ausstand aufgerufen, »weil in Reutlingen die größten Sauereien passiert sind«. Damit meinte er den Einsatz von Rentnern als Streikbrecher während des ersten Warnstreiks am Montag. Er verwies auf ein »Fairness-Abkommen«, das nicht eingehalten worden sei. Der örtliche Verdi-Vorsitzende Martin Gross sprach von einer »unnötigen Verschärfung«. Er hoffe, dass der zweite Warnstreik die Gegenseite zur »Mäßigung« bringe.


Tagblatt.de, die Online-Ausgabe des Schwäbischen Tagblatts, berichtet allerdings vom Gegenteil. Michael Koch, Fahrdienstleiter beim Reutlinger Stadtverkehr, soll dadurch aufgefallen sein, dass er, so heißt es in dem Bericht der Zeitung wörtlich »die Streikenden anpöbelte und ihnen mit Anzeigen drohte«. Eine gewisse Pikanterie erfährt der Vorgang dadurch, dass sowohl Verdi-Verhandlungsführer Hausmann als auch sein Gegenüber Eberhard Geiger aus Reutlingen kommen. WBO-Verhandlungsführer Geiger ist Personalleiter beim Reutlinger Stadtverkehr.


In einer Pressemitteilung verweist der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) darauf, dass der Warnstreik am Montag weitaus kleiner gewesen sei als von Verdi angegeben. Statt der genannten 1000 seien höchstens 400 bis 500 Fahrer im Ausstand gewesen. Auch seien weniger als zehn der rund 400 privaten Busunternehmen im Lande bestreikt worden, so dass man nicht von »flächendeckend« sprechen könne.


Unverändert sei der Verdi-Forderungskatalog »inakzeptabel«. Hinzu komme, dass beispielsweise das geforderte 13. und 14. Monatsgehalt durch kommende Erhöhungen in der Lohntarifrunde noch mehr belasten werde. Rechnerisch hätte der »Verdi-Wunschzettel« Kostensteigerungen von teilweise mehr als 20 Prozent zur Folge. Diese Mehrkosten könnten keineswegs, wie Verdi das »andenke«, an die Kommunen weitergegeben werden: »Die öffentliche Hand will vielmehr Geld im ÖPNV einsparen.« Die Verdi-Forderungen gefährdeten den flächendeckenden ÖPNV im Land.


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